
Politisch-persönliches Dilemma der doppelten Identität.
Originaltitel: Le fils de l’autre
Alternativitel: Der andere Sohn, Der Sohn der Anderen
Produktionsland: Frankreich
Veröffentlichungsjahr: 2012
Regie: Lorraine Lévy
Drehbuch: Lorraine Lévy, Nathalie Saugeon, Noam Fitoussi
Produktion: Eric Amouyal, Chrystèle Barbarat, Raphaël Berdugo, Frédéric de Goldschmidt, Virginie Lacombe
Kamera: Emmanuel Soyer
Montage: Sylvie Gadmer
Darsteller: Emmanuelle Devos, Pascal Elbé, Jules Sitruk, Mehdi Dehbi, Areen Omari, Khalifa Natour, Mahmud Shalaby u.A.
Laufzeit: 105 Minuten
Dass ihr eigener Sohn Joseph (Jules Sitruk) der Sohn der Anderen sein soll, ist für die israelische Familie Silberg ein Schock. Doch genau diese Nachricht ereilt sie eines Tages in Tel Aviv: Anscheinend hat das Krankenhaus von Haifa in einem Versehen vor 18 Jahren ihr Baby mit dem der palästinensischen Familie Al Bezaaz vertauscht. Ihr eigentlich leiblicher Sohn wurde Yacine (Mehdi Dehbi) genannt und lebt seither nichtsahnend jenseits der Grenzmauer des geteilten Landes in der West Bank. Die Enthüllung hat für beide Familien drastische Folgen religiöser, politischer und privater Natur. Obwohl die Elternteile ihren Kindern versichern, dass sie natürlich weiterhin ihre Söhne bleiben, suchen Joseph und Yacine aus eigenem Antrieb heraus ihre wahren Erzeuger auf. Den Müttern Orith Silberg (Emmanuelle Devos) und Leïla Al Bezaaz (Areen Omari) ist der Sohn der Anderen schnell willkommen. Dennoch ist die Versöhnung ein langer, steiniger Weg, zumal Josephs Vater Alon (Pascal Elbé) ein hoher militärischer Würdenträger ist und Yacines Bruder Bilal (Mahmud Shalaby) die Verachtung für das andere Volk nur schwer ablegen kann.
Quelle: moviepilot.de
Replik:
Mit dem israelischen Drama „Mein Herz tanzt“ gab es im deutschen Kinojahr 2015 bereits einen Film zu sehen, der von arabischen und jüdischen Identitätskonflikten im Staat Israel handelte. In der französischen Produktion „Der Sohn der Anderen“ treibt Regisseurin Lorraine Lévy dieselbe Thematik nun auf die Spitze. Eine Säuglingsverwechslung zwischen einer jüdischen und arabischen Familie wird erst 18 Jahre später bemerkt und zwingt beide Familien, die unterschiedlicher nicht sein könnten, unerwartet dazu, zusammenzurücken – damit begegnen sich auch ihre verschiedenen Religionen und Kulturen. Dieses Zusammentreffen hat vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts eine besondere Brisanz, zugleich haben die Probleme und Themen etwas universell Verständliches, was dem Film fast eine philosophische Dimension gibt. Auch darin erinnert „Der Sohn der Anderen“ an Hirokazu Koreedas großartigen japanischen Film „Like Father, Like Son„, in dem eine sehr ähnliche Geschichte erzählt wird. Dass sie auch bei Lévys Drama weitgehend funktioniert, ist einem feinfühligen Drehbuch mit klischeebereinigten Dialogen und faszinierenden, gut gespielten Figuren zu verdanken.

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