Goldene Tellerränder 2021

Die Gegen-Oscars 2021.

Bereits zum siebenten Jahr in Folge verleihe ich auf meinem Blog parallel zu den Oscars meine Goldenen Tellerränder, die in den verschiedenen Produktionsdepartments des Filmschaffens Werke für innovativen und besonders narrativ-funktionalen Einsatz der jeweiligen Disziplinen würdigen möchten. Zugelassen waren alle Filme, die ich letztes Jahr gesehen habe und zwischen 2019 und 2021 erschienen sind.

Best Make Up And Hairstyling
• „Promising Young Woman“ (Emerald Fennell, 2020)
• „Possessor“ (Brandon Cronenberg, 2020)
• „Titane“ (Julia Ducournau, 2021)
• „Annette“ (Leos Carax, 2021)
• „Pig“ (Michael Sanorski, 2020)

And the winner is ...

Pig“ (Michael Sarnoski, 2020)

In diesem ungewöhnliche Rachethriller tritt Nicolas Cage als pensionierter Maître de Cuisine auf, der mit seinem Trüffelschwein allein im Wald lebt und sich auch optisch immer mehr seinem besten Freund angenähert zu haben scheint. Oder anders ausgedrückt: Nicolas Cage spielt ein Schwein, gewissermaßen. Ohne das kongeniale Make-Up & vor allem Hairstyling wäre diese unorthodoxe Setzung nicht dasselbe Erlebnis gewesen.

Best Costume Design
• „This Is Not A Burial, It’s A Resurrection“ (Lemohang Jeremiah Mosese, 2019)
• „Fabian oder der Gang vor die Hunde“ (Dominik Graf, 2021)
• „Petrov’s Flu“ (Kirill Serebrennikov, 2021)
• „Dune“ (Denis Villeneuve, 2021)

And the winner is ...

Fabian oder der Gang vor die Hunde“ (Dominik Graf, 2021)

Mit „Fabian“ unternimmt Dominik Graf den kühnen Balance-Akt zwischen historischer Genauigkeit des Berlins der 20er-Jahre und seiner gleichzeitigen seiner genau entgegengesetzten antihistorischen Konterkarierung. Dass dies nie in Beliebigkeit ausartet und eine Realismuserfahrung erzeugt, die erfrischend und damit vielleicht näher an der Vergangenheit liegt als das pseudo-historische deutsche Studioset-Kino, liegt zu beachtlichen Teilen auch an seiner Kostümierung, die gezielt Modernes und Postmodernes miteinander verwebt.

Best Production Design
• „The Father“ (Florian Zeller, 2020)
• „Limbo“ (Soi Cheang, 2021)
• „The Last Black Man In San Francisco“ (Joe Talbot, 2019)
• „Beginning“ (Dea Kulumbegashvili, 2021)
• „Petrov’s Flu“ (Kirill Serebrennikov, 2021)

And the winner is ...

Petrov’s Flu“ (Kirill Serebrennikov, 2021)

Fiebertraumartig torkelt der Protagonist durch Moskau, durch seine Vergangenheit, Gegenwart und psychoanalysierbares Geflecht aus Zeiten und Orten. In der surrealen, zulawski-haften Erzählweise verketten sich teilweise auf spektakuläre Weise Studiobauten/Locations zu einem Rausch des russischen Unterbewussten.

Best Score/OST
• „Another Coin For The Merry-Go-Round“ (Hannes Starz, 2021)
„Memoria“ (Apichatpong Weerasethakul, 2021)
• „The Worst Person In The World“ (Joachim Trier, 2021)
• „Annette“ (Leos Carax, 2021)
„Petrov’s Flu“ (Kirill Serebrennikov, 2021)

And the winner is ...

Annette“ (Leos Carax, 2021)

Für das Fachpublikum schien „Annette“ nur Ultrakunst oder Ultraschrott zu sein, so sehr polarisierte Carax‘ englischsprachiges Debüt. Das etwas clownesk-bescheuerte Musical ist aber etwas nüchterner betrachtet in jedem Fall eine stilvoll und ungewöhnlich inszenierte Geschichte mit einer fast durchgehend gesungenen Plotline. Der Titelsong und seine Variationen spielt darüberhinaus auch eine dramaturgische Nebenrolle. In diesem — verglichen mit dem Vorjahr — schwächeren Soundtrackjahr reicht das für den Tellerrand.

Best Sound Mixing
• „Beginning“ (Dea Kulumbegashvili, 2020)
• „Sound Of Metal“ (Darius Marder, 2019)
• „Possessor“ (Brandon Cronenberg, 2020)
• „Pieces Of A Woman“ (Kornél Mundruczó, 2020)
• „Memoria“ (Apichatpong Weerasethakul, 2021)

And the winner is ...

Memoria“ (Apichatpong Weerasethakul, 2021)

Gegen starke Konkurrenz setzt sich dieses Jahr Apichatpong Weerasethakul durch (2016 konnte er dieselbe Kategorie schon mit „Cemetery Of Splendour“ gewinnen!) Im Falle von Weerasethakuls internationalem Debüt tut sich der wie immer fein komponierte, nahezu psychedelische Filmton besonders in einer filmischen Geste hervor: Ein bestimmtes Geräusch, das die Protagonistin aktiv erinnern und wieder finden will, zeichnet sich durch eine ganz bestimmte des Klanges (bzw. der Abmischung) aus und wird in „Memoria“ so zu einem dramatischen Fixpunkt, was eine der wohl innovativsten Sound-Mixing-Leistungen der Filmgeschichte darstellt.

Best Sound Editing
• „Sound Of Metal“ (Darius Marder, 2019)
• „Possessor“ (Brandon Cronenberg, 2020)
• „Annette“ (Leos Carax, 2021) 
• „Memoria“ (Apichatpong Weerasethakul, 2021)
• „Babi Yar. Context“ (Sergei Loznitsa, 2021)

And the winner is ...

Babi Yar. Context“ (Sergei Loznitsa, 2021)

Loznitsas Film ist eine halbe Soundinstallation, vielleicht sogar etwas mehr als nur eine halbe. Das original footage aus dem NS- und Sowjetnachlass, das die Eroberung und Rückeroberung der Ukraine zeigt, als einen Zankapfel zwischen Großmächten, wurde mit einem annähernd naturalistischem Gestus nachvertont, was einen kaum geahnten Sogeffekt bietet und das Publikum schlagartig in die Lage des Dargestellten versetzt.
(Kurios: Zum zweiten Mal in Folge gewinnt ein ukrainischer Film diese Kategorie)

Best Special / Visual Effects
• „Possessor“ (Brandon Cronenberg, 2020)
• „Memoria“ (Apichatpong Weerasethakul, 2021)
• „Annette“ (Leos Carax, 2021)          
• „The Innocents“ (Eskil Vogt, 2021)
• „Dune“ (Denis Villeneuve, 2021)

And the winner is ...

Dune“ (Denis Villeneuve, 2021)

Machen wir’s kurz: Bei allem Respekt vor den SFX und VFX der anderen Nominierten. Kein Einsatz war innovativ oder dramaturgisch funktional genug, um mit der großen Werksarbeit der Dune-Macher konkurrieren zu können. Villeneuves Sandwelt erzeugt durchaus einen beachtlichen Sog und Libellenhelikopter sieht man ja auch nicht alle Tage.

Best Film Editing
• „Collective“ (Alexander Nanau, 2020)
• „Memory Box“ (Joana Hadjithomas & Khalil Joreige, 2021)
• „Another Coin For The Merry-Go-Round“ (Hannes Starz, 2021)
• „Fabian oder der Gang vor die Hunde“ (Dominik Graf, 2021)
• „Petrov’s Flu“ (Kirill Serebrennikov, 2021)

And the winner is ...

Collective“ (Alexander Nanau, 2020)

Es ist eine große Kunst von Timing und Präzision, einen Dokumentarfilm über Korruption in Rumänien so zu schneiden, dass er fast wirkt wie ein inszeniertes Drama. Die Prägnanz, aus dem dokumentarischen Material zu kitzeln, der Rhythmus, der aus diesem eher trockenen Thementerrain einen hochspannenden Thriller gerinnen lässt, schlussendlich die Selektion des Gezeigtem, die aus „Collective“ nie den Überblick über seine Informationsvergabe verlieren lässt.

Best Documentary Feature
• „The Earth Is As Blue As An Orange“ (Iryna Tsilyk, 2020)
• „Collective“ (Alexander Nanau, 2020)
• „Herr Bachmann und seine Klasse“ (Maria Speth, 2021)
• „Gunda“ (Victor Kossakovsky, 2020)
• „Babi Yar. Context“ (Sergei Loznitsa, 2021)

And the winner is ...

Collective“ (Alexander Nanau, 2020)

… und damit „Collective“ zu einem der beeindruckendsten Dokumentarfilme der letzten Jahre macht, der sich hier gegen eine selten starke Konkurrenz durchsetzt.

Best English Language Feature
• „Pieces Of A Woman“ (Kornél Mundruczó, 2020)
• „Promising Young Woman“ (Emerald Fennell, 2020)
• „Possessor“ (Brandon Cronenberg, 2020)
• „Red Rocket“ (Sean Baker, 2021)
• „The Last Black Man In San Francisco“ (Joe Talbot, 2019)

And the winner is ...

Possessor“ (Brandon Cronenberg, 2020)

Brillantes Genre-Kino, in all seinen Einzelteilen und doch ist „Possessor“ so viel mehr noch als seine Teilsumme. Ein vielschichtiges Drehbuch, das immer die Übersicht über seine Ebenen bewahrt und sich niemals selbstgefälligem Undurchsichtigkeitsgeschwurbel ausliefert. Brandon Cronenbergs Zweitling ist messerscharf geschrieben, dabei allegorisch vieldeutig und auf seiner einfachsten Benutzeroberfläche des Attraktionskinos ganz nebenbei noch verdammt guter, verdammt körperlicher Body-Horror.

Best Debut Feature
• „Beginning“ (Dea Kulumbegashvili, 2020)
• „Promising Young Woman“ (Emerald Fennell, 2020)
• „Happening“ (Audrey Diwan, 2021)
• „Moneyboys“ (C.B. Yi, 2021)
• „The Last Black Man In San Francisco“ (Joe Talbot, 2019)

And the winner is ...

Beginning“ (Dea Kulumbegashvili, 2020)

Die Georgierin Dea Kulumbegashvili reiht in ihrem Debütspielfilm mit scheinbarem Selbstverständnis filmische Geste an filmische Geste. Als wäre sie Tarkovsky höchstpersönlich beschwört Kulumbegashvili Momente, die vor mystischer Energie und kinematografischen Einfallsreichtum nur so bersten. Bezogen auf eine Regiekarriere herrscht kein Zweifel, dass „Beginning“ tatsächlich nur der Anfang sein kann.

Best Adapted Screenplay
• „True Mothers“ (Naomi Kawase, 2020)
• „Fabian oder der Gang vor die Hunde“ (Dominik Graf, 2021)
• „Happening“ (Audrey Diwan, 2021)
• „Drive My Car“ (Ryusuke Hamaguchi, 2021)
• „Compartment No. 6“ (Juho Kuosmanen, 2021)

And the winner is ...

Drive My Car“ (Ryusuke Hamaguchi, 2021)

Hamaguchi beweist hier, dass weniger der Roman und mehr die Erzählung/Kurzgeschichte die literarische Entsprechung zum Spielfilm darstellt. Drei Stunden lang transponiert und -zendiert Ryusuke Hamaguchi die Vorlage Haruki Murakamis, interessiert sich für deren Details so sehr, wie er eben will.

Best Original Screenplay
• „What Do We See When We Look At The Sky?“ (Aleksandre Koberidze, 2021)
• „Pieces Of A Woman“ (Kornél Mundruczó, 2020)
• „Promising Young Woman“ (Emerald Fennell, 2020)
• „Possessor“ (Brandon Cronenberg, 2020)
• „The Worst Person In The World“ (Joachim Trier, 2021)

And the winner is ...

 „Promising Young Woman“ (Emerald Fennell, 2020)

Emerald Fennells Debüt ist wie ein vergiftetes Bonbon: zum einmaligen Verzehr gedacht. Aber dabei eben auch genau dies: einmalig! Fennell macht sich manipulativer Dramaturgiemechanismen so virtuos zu eigen, dass sie gleichzeitig ein Massenpublikum abholt, ihre Erwartungen mitein-, und dann über über links zieht. Letztlich gelingt ihr sogar das Kunststück, wirklich belehrend, ohne belehrerisch zu sein. Einer der politischsten Filme der letzten Jahre, in Form und Inhalt.

Best Cinematography
• „Beginning“ (Dea Kulumbegashvili, 2020)
• „Pieces Of A Woman“ (Kornél Mundruczó, 2020)
• „This Is Not A Burial, It’s A Resurrection“ (Lemohang Jeremiah Mosese, 2019)
• „The Body Remembers When The World Broke Open“ (Kathleen Hepburn, 2019)
• „Atlantis“ (Valentyn Vasyanovych, 2019)

And the winner is ...

Beginning“ (Dea Kulumbegashvili, 2020)

Ist hier gar eine goldene Generation des georgischen Kinos auf dem Weg? Der Beginning-D.O.P. Arseni Khachaturan war beim Erscheinen von „Beginning“ gerade einmal 27 Jahre alt. Der in jeglicher Hinsicht magische Schwebezustand zwischen freiheitlicher Ruhe der Natur und bleierner Schwere des Zwischenmenschlichen wären ohne die Tableaus des Kamera-(Wunder)kinds Khachaturan undenkbar.

Best Casting Director
• „Brother’s Keeper“ (Ferit Karahan, 2021)
• „True Mothers“ (Naomi Kawase, 2020)
• „Red Rocket“ (Sean Baker, 2021)
• „The August Virgin“ (Jonás Trueba, 2019)
• „The Body Remembers When The World Broke Open“ (Kathleen Hepburn, 2019)

And the winner is ...

The August Virgin“ (Jonás Trueba, 2019)

Jonás Truebas Meisterwerk „The August Virgin“ ist der Höhepunkt seines chronistisch-persönlichen Kreisens um seine Heimatstadt Madrid und dessen junges liberales Bürgerum, dessen Teil er natürlich auch selbst ist. So nimmt es nicht Wunder, dass „The August Virgin“ bevölkert von Freunden und Bekannten des Auteurs ist, die dem Film zu einem Universum faszinierender Persönlichkeiten machen. Ein Film voller kleiner Insider-Witze und bedeutsamer Blicke.

Best Supporting Actress
• Gabrielle Sanz („Petite Maman“)
• Aju Makita („True Mothers„)
• Aleksandra Konieczna („Sweat“)
• Isabelle Stoffel („The August Virgin“)
• Violet Nelson („The Body Remembers When The World Broke Open“)

And the winner is ...

Violet Nelson („The Body Remembers When The World Broke Open“)

Violet Nelson ist so etwas wie die Wand(spielerin), an der das kongeniale Starring von Elle-Máijá Tailfeathers ankämpft und immer wieder abprallt. Obwohl Violets Figur stur, oft grob und einfach nicht zu helfen ist, mag man sie. Eine sensationelle, sensible Mischung aus proletarisch angelernter Härte und hilfloser Sanftheit. Sie trägt einen maßgeblichen Anteil dafür, dass „The Body Remembers When The World Broke Open“ die komplexe Lage unterprivilegierter Frauen begreifbar zu machen. Gänsehaut.

Best Supporting Actor
Albrecht Schuch („Fabian oder der Gang vor die Hunde„)
• Alireza Sanifar („Ballad Of A White Cow“)
• Maxim Stoyanov („Give Me Liberty“)
• Bai Yufan („Moneyboys“)
• Gaku Hosokawa („Sasaki In My Mind“)

And the winner is ...

Albrecht Schuch („Fabian oder der Gang vor die Hunde“)

Es sind Figuren wie der vom vielseitigen Albrecht Schuch verkörperten Philosophie-Studenten und Lebemann Stephan Labude, die Dominik Grafs Meisterwerk „Fabian“ erst so lebendig machen. Als privilegierter, aber ein bisschen verlorener Weltverbesserer auch eine Figur, die, wie so oft in Grafs Werk, zwischen den Zeiten liegen: Gleichzeitig in der Weimarer Republik und in der Gegenwart.

Best Actress
• Vanessa Kirby („Pieces Of A Woman“)
• Marta Nieto („Madre„)
• Françoise Lebrun („Vortex“)
• Itaso Arana („The August Virgin“)
• Deragh Campbell („Anne at 13,000 ft.“)

And the winner is ...

Françoise Lebrun („Vortex“)

Auch wenn das der vermutlich stärkste Actress-Jahrgang aller Zeiten ist, fällt es mir nicht schwer, diese Auszeichnung an die Novelle-Vague-Ikone Françoise Lebrun zu vergeben; sowohl als Lebenswerkwürdigung, als auch ganz konkret, um ihre Leistung in Gaspar Noés „Vortex“ schlichtweg adäquat einzuordnen. Die Verbitterung, Enttäuschung, aber auch Zuneigung und Liebe, die Lebrun weitestgehend wortlos allein durch ihre Aura zum Ausdruck bringt, erzählt eine ganze Lebensgeschichte und vielleicht noch so viel mehr.

Best Actor
• Tom Schilling („Fabian oder der Gang vor die Hunde„)
• Riz Ahmed („Sound Of Metal“)
• Apayata Kotierk („One Day In The Life Of Noah Piugattuk“)
• Dario Argento („Vortex“)
• Erik Enge („Tigers“)

And the winner is ...

Apayata Kotierk („One Day In The Life Of Noah Piugattuk“)

Apaya Kotierks Performance in „One Day In The Life Of Noah Piugattuk“ ist im Grunde so etwas wie eine radikal-medienphilosophische Auseinandersetzung damit, wo die Grenzen zwischen Schauspiel und Dokumentarischem liegen. Knapp zwei Stunden lang ist der Film nicht viel mehr als ein Interview eines kanadischen Siedlers mit dem Innuit Noah Piugattuk, der unbeeindruckt, manchmal erbost, manchmal belustigt, auf den Siedler reagiert, dabei irgendwie einfach ganz Mensch zu sein scheint. Dabei ist die Szene ein Reenactment einer Begegnung aus den 1960er-Jahren. Wie spielt man sowas … ?

Best Director
• Dea Kulumbegashvili („Beginning“)
• Dominik Graf („Fabian oder der Gang vor die Hunde„)
• Gaspar Noé („Vortex“)
• Ryusuke Hamaguchi („Drive My Car“)
• Jonás Trueba („The August Virgin“)

And the winner is ...

Fabian oder der Gang vor die Hunde“ (Dominik Graf, 2021)

Dominik Grafs Filme sind immer auch ein bisschen Filmkritiken, so kann man auch den Regiestil von „Fabian“ begreifen. Wie kaum ein anderer Film der (vor allem jüngeren) Filmgeschichte ist „Fabian“ einer, der die Redunanzien feiert, das Detailverliebte zelebriert und jede noch so häufig gesehene Geste neu durchdenkt und dem Gefühl des „So könnte es (gewesen) sein“ auf die Spur geht. Besonders im deutschen NS-Themenkomplex erfrischt jede noch so kleine Umspielung des so oft Gesehenen und so vermeintlich schon immer Gewussten.

Best Picture
• „Beginning“ (Dea Kulumbegashvili, 2020)
• „What Do We See When We Look At The Sky?“ (Aleksandre Koberidze, 2021)
• „Collective“ (Alexander Nanau, 2020)
• „Pieces Of A Woman“ (Kornel Mundruczo, 2020)
• „Promising Young Woman“ (Emerald Fennell, 2020)
• „Possessor“ (Brandon Cronenberg, 2020)
• „Fabian oder der Gang vor die Hunde“ (Dominik Graf, 2021)
• „Vortex“ (Gaspar Noé, 2021)
• „Drive My Car“ (Ryusuke Hamaguchi, 2021)
• „The August Virgin“ (Jonás Trueba, 2019)

And the winner is ...

The August Virgin“ (Jonás Trueba, 2019)

Mit „Fabian“ unternimmt Dominik Graf den kühnen Balance-Akt zwischen historischer Genauigkeit des Berlins der 20er-Jahre und seiner gleichzeitigen seiner genau entgegengesetzten antihistorischen Konterkarierung. Dass dies nie in Beliebigkeit ausartet und eine Realismuserfahrung erzeugt, die erfrischend und damit vielleicht näher an der Vergangenheit liegt als das pseudo-historische deutsche Studioset-Kino, liegt zu beachtlichen Teilen auch an seiner Kostümierung, die gezielt Modernes und Postmodernes miteinander verwebt.

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Statistisches

Anzahl der Nominierungen

„Fabian oder der Gang vor die Hunde“ (Dominik Graf, 2021): 7
„Possessor“ (Brandon Cronenberg, 2020): 7
„Beginning“ (Dea Kulumbegashvili, 2020): 6
„Pieces Of A Woman“ (Kornel Mundruczo, 2020): 6
„The August Virgin“ (Jonás Trueba, 2019): 5
„Promising Young Woman“ (Emerald Fennell, 2020): 5
„Vortex“ (Gaspar Noé, 2021): 4
„Memoria“ (Apichatpong Weerasethakul, 2021): 4
„Sound Of Metal“ (Darius Marder, 2019): 3
„Drive My Car“ (Ryusuke Hamaguchi, 2021): 3
„Collective“ (Alexander Nanau, 2020): 3
„Annette“ (Leos Carax, 2021): 3
„Petrov’s Flu“ (Kirill Serebrennikov, 2021): 3
„The Body Remembers When The World Broke Open“ (Kathleen Hepburn, 2019): 3
„The Last Black Man In San Francisco“ (Joe Talbot, 2019): 3
„True Mothers“ (Naomi Kawase, 2020): 3
„What Do We See When We Look At The Sky?“ (Aleksandre Koberidze, 2021): 2
„This Is Not A Burial, It’s A Resurrection“ (Lemohang Jeremiah Mosese, 2019): 2
„Dune“ (Denis Villeneuve, 2021): 2
„Another Coin For The Merry-Go-Round“ (Hannes Starz, 2021): 2
„The Worst Person In The World“ (Joachim Trier, 2021): 2
„Happening“ (Audrey Diwan, 2021) : 2
„Babi Yar. Context“ (Sergei Loznitsa, 2021): 2
„Tigers“ (Ronnie Sandahl, 2020): 1
„Brother’s Keeper“ (Ferit Karahan, 2021): 1
„Red Rocket“ (Sean Baker, 2021): 1
„Atlantis“ (Valentyn Vasyanovych, 2019): 1
„Titane“ (Julia Ducournau, 2021): 1
„Pig“ (Michael Sanorski, 2020): 1
„The Father“ (Florian Zeller, 2020): 1
„Petite Maman“ (Céline Sciamma, 2021): 1
„Sweat“ (Magnus von Horn, 2020): 1
„Limbo“ (Soi Cheang, 2021): 1
„One Day In The Life Of Noah Piugattuk“ (Zacharias Kunuk, 2019): 1
„Madre“ (Rodrigo Sorogoyen, 2019): 1
„Anne at 13,000 ft.“ (Kazik Radwanski, 2019): 1
„Moneyboys“ (C.B. Yi, 2021): 1
„Compartment No. 6“ (Juho Kuosmanen, 2021): 1
„Sasaki In My Mind“ (Takuya Uchiyama, 2020): 1
„Give Me Liberty“ (Kirill Mikhanovsky, 2019): 1
„Ballad Of A White Cow“ (Alireza Sanifar, 2021): 1
„Memory Box“ (Joana Hadjithomas & Khalil Joreige, 2021): 1
„The Earth Is As Blue As An Orange“ (Iryna Tsilyk, 2020): 1
„Herr Bachmann und seine Klasse“ (Maria Speth, 2021): 1
„Gunda“ (Victor Kossakovsky, 2020): 1

Anzahl der Siege

„Fabian oder der Gang vor die Hunde“ (Dominik Graf, 2021): 3
„Beginning“ (Dea Kulumbegashvili, 2020): 2
„The August Virgin“ (Jonás Trueba, 2019): 2
„Collective“ (Alexander Nanau, 2020): 2
„Possessor“ (Brandon Cronenberg, 2020): 1
„Promising Young Woman“ (Emerald Fennell, 2020): 1
„Vortex“ (Gaspar Noé, 2021): 1
„Memoria“ (Apichatpong Weerasethakul, 2021): 1
„Drive My Car“ (Ryusuke Hamaguchi, 2021): 1
„Annette“ (Leos Carax, 2021): 1
„Petrov’s Flu“ (Kirill Serebrennikov, 2021): 1
„Dune“ (Denis Villeneuve, 2021): 1
„The Body Remembers When The World Broke Open“ (Kathleen Hepburn, 2019): 1
„Pig“ (Michael Sanorski, 2020): 1
„Babi Yar. Context“ (Sergei Loznitsa, 2021): 1
„One Day In The Life Of Noah Piugattuk“ (Zacharias Kunuk, 2019): 1

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